… ich schreiben Ihnen um Antworten zu bekommen und um zu verstehen wie sie Ihre, also eigentlich nicht Ihre Idee, aber die Idee die Sie in die Welt getragen haben und die nun soviel Kopfschütteln und Lachen erzeugt, eigentlich durchdacht haben und wie Sie diese umsetzen wollen?

Sie kommunizierten dass Sie jedem Taliban der seiner Sache abschwört eine Prämie bezahlen wollen, dafür muss er seine Waffe, besser gesagt Waffen, aushändigen.

Einen Taliban dafür zu bezahlen damit er seine Waffe abgibt, erinnert mich an Ihren Wunsch 18 % zu erreichen. Ein schöner Traum, aber das war es auch schon. Was ich an ihrem Vorschlag vermisse und da sind Sie schon ganz Merkel, ist, wie sie das eigentlich anstellen wollen? Sie scheinen, wie leider viele Politiker, zu glauben dass die Menschen in Deutschland nicht zuhören wenn Politiker mit Ideen an die Öffentlichkeit treten. Das ist falsch, die Bürger wollen wissen wie Sie das anstellen wollen.

Doch scheinbar scheint es inzwischen zu politischen Kommunikation zu gehören dass Vorschläge gemacht werden ohne die dafür notwendigen Lösungen parat zu haben. Aber nun weiter…

Wird es da Anlaufstellen für Taliban geben oder fahren da Wohnmobile mit Allradantrieb und einem weissen Fähnchen auf dem Dach durch das Land? Werden sie stationäre Auszahlungsstellen etablieren und wenn ja wo? In den Armeecamps? Ich stelle mir schon vor wie das ablaufen wird. Da marschieren Hundertschaften von Taliban, bepackt mit Waffen aller Art auf die Stützpunkte zu. Was dann wohl passiert?

Da Sie diesem Gedankengang sicher folgen können wird dieser Weg nicht der Richtige sein. Wo also kann sich ein reuiger Taliban melden? Ich bitte um Antwort.

Wie wollen Sie feststellen wer ein Taliban ist? Ich habe gehört die sind gar nicht so leicht zu erkennen.

Das ganze klingt ein wenig nach einer Abwrackprämie für gebrauchte Schusswaffen. Dazu fallen mir aber wieder ein paar Fragen ein.

Wie können Sie sicher sein dass ein Kämpfer alle Waffen abgibt und nicht nur die bereits Abgeschriebenen? Ist die ganze Idee vielleicht auch mit dem Hintergedanken behaftet der Waffenindustrie dadurch wieder mehr Aufträge zu beschaffen, denn sogar Sie müssten wissen dass das Tragen einer Waffe und sei es nur ein Dolch, zu den Gewohnheiten, zur Tradition und oft auch zur Notwendigkeit in vielen Ländern, darunter auch Afghanistan, gehört.

Wie wollen Sie sicherstellen dass ein Taliban nicht ein zweites Mal vorbeikommt um seinen ganz persönlichen Karsai4 Zuschlag zu erhalten? Stempeln sie ihm das FDP Logo mit UV Farbe auf den Handrücken? Sie sehen, Zweifel sind angebracht an Ihren Ideen.

Was bieten sie dem nun dem Taliban an der sich sein Geld abgeholt hat? Ein Talibanaussteigerprogamm wird von Ihnen ja nicht kolportiert. Stellen sie dann noch ganz nebenbei dem nun ehemaligen Taliban auch seinen ganz persönlichen und schwer bewaffneten Personenschutz zur Seite, damit er auch die Möglichkeit hat seinen Obulus gewinnbringend und nachhaltig zu investieren? Wie ist denn eigentlich Ihre Meinung zum Verrat? Denn als solchen werden die nicht übergelaufenen Taliban zuerst denken wenn sie einen der ihren mit dem Stempel auf der Hand sehen. Ja, auch in Afghanistan gibt es UV Lampen.

Denn ich kann mir schon vorstellen dass die Taliban, also jene welche diesem Angebot widerstehen können, nicht gerade erfreut sind wenn sie dezimiert werden und mit den Abtrünnigen so ihre ganz eigenen Pläne haben.

Aber natürlich kann das auch ganz anders kommen. Indem die Taliban diese Idee als den Beitrag der FDP zur Entwicklungshilfe sehen und jeden Taliban zur Zahlstelle schicken um die Kriegskasse aufzubessern. Mit diesem Weg sind Ihnen Paraden in Kabul ziemlich sicher.

Was aber ist wenn nun Bürger von Afghanistan welche nicht den Taliban angehören, zu Temporärtaliban werden um sich so ein wenig das Leben zu verbessern? Auch hierzu ist von Ihnen nichts zu hören oder zu lesen.

Ich möchte wirklich von Ihnen wissen wie Sie das alles anstellen wollen. Gerade auch deswegen weil Ihre politische Arbeit nun nicht wirklich von Taten belegt wird die beweisen dass Sie Politik ausschließlich für den Bürger machen. So jedenfalls mein Eindruck.

Aber zurück zum Thema…

Möglicherweise hat diese Idee ja zum Ergebnis dass sich die Taliban totlachen. Dann allerdings hätte Sie ihr Ziel erreicht. Doch es wird beim Konjunktiv bleiben, denn ich kann mir nicht wirklich vorstellen dass die Taliban mit viel Humor ausgestattet sind.

Eine weitere Idee ist dass Sie die nun arbeitslosen Taliban in Lohn und Brot bringen möchten. Ja, das ist nun wirklich witzig Herr Westerwelle, Sie schaffen dass ja nicht einmal in Deutschland. Also wie stellen Sie sich das in Afghanistan vor? Verschaffen Sie Ihren Freunden aus diversen Konzernen lukrative Aufträge in einem hoffentlich bald friedlichen Afghanistan die dann massenhaft Ex-Taliban einstellen können? Wie also wollen Sie Jobs in diesem fernen Land schaffen? Bitte Bitte, liefern Sie Vorschläge, wir warten doch schon so lange darauf dass Sie auch Lösungen anbieten.

Auf Ihre Vorschläge bin nicht nur ich gespannt.

Herr Dr. Westerwelle, bitte denken Sie in Zukunft einfach mal nach bevor Sie sich kommunikativ verbreiten. Die Bürger sind nicht blöd, die Bürger hören vermehrt dem zu was ihre Angestellten in Berlin, im Parlament, in den Rathäusern machen. Mir persönlich gehen Sie etwas zu locker mit dem Geld der Steuerzahler um. Seien Sie über einen Zustand froh und dankbar, dass Sie solche Ideen nicht Demokratisch per Volksabstimmung abstimmen lassen müssen.

Machen Sie endlich Politik für die Menschen. Das hilft glücklich zu werden.

Mit freundlichem Gruß

Armin Kraft